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Wenn die Zeit (keine) Wunden heilt...

Ich möchte dir eine kleine Geschichte erzählen: Gestern habe ich mich ganz blöd verletzt. Ich griff in meine Handtasche, um mein Portemonaie zum Bezahlen herauszuholen und stieß mit dem Daumen auf etwas.

Dabei riss ich mir das Nagelbett ein kleines Stück vom Nagel ab. Ziemlich schmerzhaft... Ich merkte im ersten Moment nicht, dass es blutete, sondern sah das verschmierte Blut erst ein paar Minuten später. So ein Mist!

Im Laufe des Tages nahm ich mir leider nicht viel Zeit, um mich um die Verletzung zu kümmern. "Es wird schon wieder werden!" war mein Gedanke.


Geht es dir auch so? Dass du spürst, dass du dich verletzt hast oder verletzt wurdest - ob am Körper oder der Seele - und dir jedoch nicht die Zeit nimmst, hin zu schauen, wie die Wunde aussieht. Wie tief und damit pflege- und liebebedürftig die Wunde ist.


Gerade im Winter, bei trockener, strapazierter Haut, passiert es schnell, dass sie - ohne sehr starke Einwirkung von außen - reißt und eine Wunde entsteht. Und die Weihnachtszeit, die vor der Tür steht, ist häufig prädestiniert dafür, alte Wunden wieder aufzureißen...


Deswegen möchte ich heute ein wenig zusammenfassen, welche Wildkräuter beim Thema Wundheilung uns zur Verfügung stehen.


Natürlich ist wichtig, zu schauen, um welche Art von Wunde es sich handelt. Wie groß und tief ist sie? Ist sie verschmutzt? Steckt vielleicht noch etwas in der Wunde drin? Blutet es stark?


Um direkt auf seelischer Ebene bei einer akuten Verletzung für Ruhe zu sorgen, ist Lavendel eine wunderbare Sache. Das ätherische Öl, auf ein Kleidungsstück am Oberkörper aufgetragen, lindert den Schrecken und den Schmerz. So kann man in Ruhe über den nächsten Schritt nachdenken. Der auch sein kann, einen Arzt aufzusuchen!!! Was auch geboten ist bei sehr tiefen Wunden oder Wunden, deren Blutung nicht gestillt werden kann.


Blut versetzt viele Menschen schon in Angst und Schrecken. Doch wenn es blutet, ist dies insofern gut, als dass damit auf ganz natürliche Weise die Wunde gespült wird. Kinder fangen häufig beim Anblick der roten Körperflüssigkeit an zu weinen. Hier greife ich gerne auf den Spitzwegerich zurück. Ein Blättchen schnell in den Fingern gerollt und den Saft aufgetragen oder auch das Blatt aufgelegt, lässt die Blutung schnell stille stehen. Und der Spitzwegerich sorgt sogar dafür, dass die Wunde, sollte sie auch noch verschmutzt sein, sich mit einer hohen Wahrscheinlichkeit NICHT entzündet.


Die Ringelblume und die Kamille sind wunderbare Wundheilerinnen. Ob nun als Tinktur (hier bitte 1:10 verdünnt, da Alkohol in offenen Wunden äußerst unangenehm ist und mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu führt, dass keine weitere Behandlung mehr zugelassen wird) oder als Tee sind diese Blumen großartige Helfer.

Beide Pflanzen beruhigen, lindern, helfen, die Schutzschicht wieder aufzubauen, reinigen jedoch auch und helfen dem Körper, sich selbst zu reinigen.


Eisenkraut ist als Tee und damit Bad für die Wunde eine Wohltat, wenn sie sich doch entzündet hat. Was im Falle meines Daumens schon gestern Abend war, ich jedoch nicht mehr die Kapazitäten hatte, ihn zu behandeln. Heute morgen war er gerötet, geschwollen und die Wundflüssigkeit deutete klar auf eine Entzündung hin. Also machte ich mir eine Tasse mit Eisenkrauttee und badete meinen Daumen ein paar Minuten darin. Schon nach kurzer Zeit merkte ich, dass die Spannung nachließ und nun, ca. 12 Stunden später, sind keine Entzündungszeichen mehr vorhanden.


Die Schafgarbe, der Ackerschachtelhalm, aber auch wieder die Ringelblume und Kamille, fördern und unterstützen den Heilprozess enorm. Als Tee oder Kompresse auf der entsprechenden Stelle angewendet bewirken sie wahre Wunder.


Fettige Salben aus Veilchen oder Ringelblume sind nur am Wundrand oder erst angesagt, wenn die Haut sich wieder geschlossen hat und damit der Schorf weich gehalten werden soll. Auf offenen Wunden bewirken fettige Substanzen, dass keine Luft mehr an die arbeitende Schicht kommt und sich hier eher die schädigenden Lebewesen wohl fühlen.


Wenn du den Podcast über die Vogelmiere gehört hast, weißt du, dass ich sehr gute Erfahrungen gemacht habe mit der Vogelmiere als Mittel bei stumpfen Verletzungen, das heißt bei der Gefahr von blauen Flecken oder Blutergüssen. Die Pflanze - im Wasser erwärmt - als Wundauflage/Kompresse bewirkt Wunder.

Wer eine Salbe aus Arnika zur Hand hat, nimmt diese. Doch wächst Arnika bekanntlich in den Bergen.


Doch damit haben wir bisher nur die körperlichen und damit äußerlichen (sichtbaren) Wunden behandelt.


Das Gänseblümchen steht für die unbeschwerte, heile Kindheit und kann helfen, die Seele wieder heilen zu lassen. Traumeel ist ein bekanntes homöopathisches Mittel, das nach Traumata - körperlichen wie seelischen - gegeben wird. Darüber hinaus heißt das Gänseblümchen auf Latein "Bellis perennis" = die ausdauernde Schöne. Sie kann nur so ausdauernd schön sein, weil sie so gut auf sich selbst achtet. Darin kann sie uns Lehrerin und Unterstützern sein.


Weiter oben habe ich schon den Lavendel erwähnt. Wenn wir uns die Pflanze anschauen, so steht die Blüte hoch aufgerichtet, ganz gerade und erst ganz oben sind die Blüten angeordnet. Dieses Aufrichten und über den Dingen stehen - dabei kann Lavendel behilflich sein.


Nun habe ich einige Pflanzen aufgelistet, die bei der Wundbehandlung eingesetzt werden können.

Ich denke allerdings, dass häufig das wichtigste Heilmittel ein Gegenüber ist, das mitfühlt, für mich da ist, mit mir redet oder mir einfach nur zuhört und dem ich mitteilen kann, was mich bewegt.

Leider höre ich von Eltern häufig ein "Ist nicht so schlimm!" oder "Ist alles gut!", wenn der Nachwuchs sich weh getan oder verletzt hat. NEIN!

Gerade ist es schlimm und gerade ist überhaupt nichts gut. Doch genau das haben die Mutter/ der Vater auch schon zu hören bekommen und gelernt, dass Wunden keine Aufmerksamkeit bekommen dürfen.

Hier dürfen wir umdenken und hinschauen! Uns Zeit nehmen und mitfühlen. Denn dann heilt es häufig doppelt so schnell - auf körperlicher und seelischer Ebene! Wenn ich selbst in der Lage bin, es anzunehmen. Und Annahme geht nur durch Hinschauen.


Daher versuche ich ein Vorbild zu sein im Annehmen, Mitfühlen und mit Liebe Behandeln.

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