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Nelkenwurz - die Wurzel mit dem Pfiff


Tannenzapfen im Vordergrund, rote Schleife in der linken Bildecke, vier brennende rote Kerzen

Kerzenschein, süße Düfte aus der Küche, warmer Tee und liebliche Musik! – Ist das noch deine Realität in der Adventszeit? Oder ist das alles von einer langen Reihe an Terminen, hektischen Einkäufen und Abarbeiten von Listen abgelöst worden?

 

Ich lade dich ein, dich – wie in den letzten Monaten auch – wieder einmal der wilden Natur zuzuwenden und dadurch vielleicht ein wenig Ruhe und Muße in den (All-)Tag zu bekommen.

Heute möchte ich dir ein Kraut vorstellen, dessen exotische Namensvetterin nun im Winter und vor allem im Dezember Hochkonjunktur hat: die (echte/gemeine) Nelkenwurz.

Die Gewürznelke fehlt sicherlich in keinem Gewürzregal und wird gerne dem Rotkohl, den Weihnachtsplätzchen, aber auch dem Glühwein zugefügt und verleiht diesen Speisen häufig erst ihren typischen Geschmack.


junge Pflanze der Nelkenwurz mit Knospen und auffälliger gelben Blüte
Blühende Nelkenwurz, häufig am Wegesrand zu finden

Die Nelkenwurz, die vielerorts wild wächst, hat das gleiche ätherische Öl im Gepäck. Doch der Name deutet darüber hinaus auch an, in welchem Teil der Pflanze dieser Schatz enthalten ist: in der Wurzel!

„Oh... da muss ich ja buddeln!“, mag nun Ihr Gedanke sein. Ja, das stimmt. Der Herbst und Winter ist die beste Zeit, um Wurzeln zu ernten und zu nutzen. Hat die Pflanze doch ihre Kraft und Energie für das Überleben in der kalten Jahreszeit in diese zurückgezogen.

Die Nutzung der heimischen Wildpflanzen ist in der Tat immer mit ein wenig Arbeit verbunden. Doch da habe ich in dir den Menschen vor mir, der gerne bereit ist, für seine Mahlzeit auf die Knie zu gehen, sich die Hände dreckig zu machen, um am Ende ein nicht nur intensiveres und wohl auch vielfältigeres Aroma auf dem Teller zu haben, sondern auch eine mit viel Liebe und Achtsamkeit geerntete und zubereitete Speise.

Ich bin überzeugt, dass uns gerade letzteres häufig mehr nährt als alle anderen Nährstoffe, die enthalten sein können.

 

Zurück zur Pflanze: Die Wurzel enthält das ätherische Öl Eugenol, das auch der Gewürznelke ihren so typischen und unverwechselbaren Geschmack verleiht.

Diese Wurzel lässt sich am besten frisch wunderbar nutzen: In einem Teesieb dem Rotkohl beigefügt oder mit Zucker verrieben im Weihnachtsstollen sorgt sie für die bekannte Würze.

Da die Wildpflanze eine geringere Menge des Öls enthält als die Blüten der tropischen Verwandten, fällt der Geschmack auch milder aus. Vielleicht für den ein oder anderen eine gute Alternative. Vor allem, wenn man kein großer Freund der Gewürznelke ist.

 


zwei angeschnittene Wurzel der Nelkenwurz, die jeweils in der Mitte eine typische violette Färbung zeigen
Die typische Färbung der frischen Wurzel

Nichtsdestotrotz hat sie volksheilkundlich eine hohe Bedeutung gehabt, die leider weitestgehend in Vergessenheit geraten ist. Dass das Nelkenöl betäubend und entzündungshemmend wirkt, macht man sich in der Zahnheilkunde allerdings immer noch zu nutze. Ein Stückchen der Wurzel zu kauen kann den Schmerz im Mund lindern, eine Spülung mit dem Tee die wunden Stellen schließen.

 

Doch hat das ätherische Öl auch eine anregende Wirkung auf unsere Verdauungsorgane und wohl, die Äbtissin Hildegard von Bingen schrieb schon davon, auch eine solche auf die Libido. Dass dies bewusst oder unbewusst genutzt wird, wird bei einem Besuch auf dem Weihnachtsmarkt schnell klar: ein gut gewürzter Wein – mit Zimt und Nelke – hilft nicht nur dem Magen, die schwere Kost zu verdauen, sondern führt hin und wieder auch zu einer Intensivierung zwischenmenschlicher Beziehungen.

 


Kasserolle mit rotem Getränk, in dem Orangenscheiben schwimmen, im Hintergrund zwei gestapelte Becher mit Kirschen
Das ätherische Öl regt nicht nur die Verdauung an...

Ein Tee hat allerdings auch schon eine positive Wirkung (und ist damit eher die Medizin) und man muss nicht auf den Wein zurückgreifen. Doch möglicherweise ist ein selbstgemachter Likör oder auch ein alkoholfreier Punsch mit der Nelkenwurz etwas ganz besonderes, um die Völlerei der Feiertage besser zu überstehen.


Also, dann guten Appetit und Prost!


PS: Allerdings muss ich hier unbedingt noch erwähnen, dass die Wurzel, sollte sie pur getrocknet werden, ihr Aroma schnell verliert. Mahlt man die Wurzel allerdings mit Zucker, speichert der Zucker das ätherische Öl und man muss nicht für jede Verwendung erst einmal mit dem Schaufelchen loslaufen.



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