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Was wuchert da in meinem Garten? Etwa Ackerschachtelhalm?

Es ist eine ganze Weile her, dass ich einen Artikel für den Blog geschrieben habe, dabei habe ich im Laufe der letzten Monate einiges zu Papier gebracht.

Unter anderem erscheint seit April eine Serie in der Zeitschrift "Gartenfreund", die jeder Pächter eines Kleingartens erhält. Im Hamburger Lokalteil darf ich eine Doppelseite füllen. Bzw. ich kann mich eigentlich auch kaum kürzer fassen, so dass mir dieser Platz eingeräumt werden muss. ;-)


Gestern kam die August-Ausgabe und in diesem Heft habe ich folgenden Artikel geschrieben:


Miniatur-Tannenbäumchen im Gemüsebeet

Der Spätsommer grüßt herzlich und möglicherweise grüßt auch hier und da schon ein wenig der Herbst. Zumindest ist die größte Ernteschwemme eingefahren und die Äpfel hängen – immer runder und röter werdender – vielversprechend in den Bäumen.


Die Zeit der Pilze steht vor der Tür, doch viele Wildkräuter erfahren noch einmal einen zweiten Frühling, angepasst an die zweite Mahd. Die Schnittzeit der Wiesen für die Heuernte.


Doch wenden wir uns heute einem Kraut zu, das vor allem in vielen Hamburger Gärten mindestens den ganzen Sommer zu finden und vor allem nicht wegzukriegen ist: dem Ackerschachtelhalm. Auch Zinnkraut genannt.

Denn mit dem Kraut wurde in der Tat früher das Zinngeschirr poliert und hat da seinen Namen erhalten.


Ackerschachtelhalm am Wegesrand
Ackerschachtelhalm am Wegesrand

Haben Sie schon einmal versucht, ihn aus Ihrem Garten zu entfernen? Ich ahne Ihr Stöhnen. Ähnlich wie beim Giersch. Denn auch der Ackerschachtelhalm verbreitet sich über unterirdische Ausläufer, sogenannte Rhizome und jedes Fitzelchen, das in der Erde verbleibt, treibt neu aus. Also wirkt das Jäten eher anfeuernd. Noch dazu wurzelt er bis zu 1,6m Tiefe. Ein Ding der Unmöglichkeit, ihn gänzlich zu entfernen.


Vielleicht hilft Ihnen mein Grundsatz: „Unkraut nennt man Pflanzen, deren Vorzüge noch nicht erkannt wurden.“ von R. W. Emerson auf dem Weg in die Akzeptanz dieses Gefährten.

Also muss auch der Ackerschachtelhalm, der nicht mit dem giftigen Sumpfschachtelhalm verwechselt werden darf, etwas Gutes im Gepäck haben.

Und das hat er natürlich auch. Einmal enthält er viel Kieselsäure und Kalium. Ersteres ein notwendiger Baustein für schöne Nägel und Haare. Letzteres nehmen auch die Pflanzen gerne als Dünger entgegen.

Darüber hinaus wurde das Zinnkraut in der Volksheilkunde bei Nieren- und Blasenleiden eingesetzt, wie auch bei starken Blutungen. Es gibt beeindruckende Erfahrungsberichte bei Maria Treben, einer großen Kräuterfrau des 20. Jahrhunderts, darüber. So soll der Tee nicht nur helfen, Nierensteine los zu werden und vor allem Wasseransammlungen auszuschwemmen, sondern Bäder mit Zinnkraut sollen erfolgreich sogar bei Bandscheibenbeschwerden eingesetzt worden sein.

Doch für Sie ist möglicherweise viel interessanter, ob er mit in die Küche kann, richtig? Sie ahnen möglicherweise die Antwort schon: „Natürlich!“ Wenn auch nicht gänzlich und zu jeder Zeit.


bräunliche Sporentriebe des Ackerschachtelhalms
bräunliche Sporentriebe

Der Ackerschachtelhalm hat eine Besonderheit: Im Frühling treibt er zuerst die bräunlichen, weichen Sporentriebe, die wie kleine Pilzchen aussehen und diesen auch geschmacklich ähneln. Diese können auf jeden Fall roh oder gegart genutzt werden. Besonders lecker sollen sie in Eierspeisen sein. (Wegessen bedeutet übrigens Eindämmen der Vermehrung und hier besteht keine Verwechslung zum giftigen Bruder!)

Erst danach kommen die grünen, sterilen Triebe aus der Erde. Diese sind, sofern sie noch weich und zart sind, also im März und April, als herbe Zutat im Kochgemüse genießbar.

Danach ist das kleine Tannenbäumchen nur noch als Tee oder Badezusatz gut.


Für eine kleine Überraschung ist er am Schluss noch zu haben: Er wird nämlich zum Schleifen der Blättchen verwendet, die bei Saxophon und Klarinette erst durch ihr Schwingen den warmen Ton erzeugen.

Also beim nächsten Mal „Zinnkraut-rupfen“ ein wenig Jazz aufs Ohr, schon wird es leichter, ihn im Garten als Gast zu haben.


Wenn Sie Lust auf noch mehr wilde Kräuter, spannendes, altes Wissen und Rezepte mit ebendiesen haben, sind Sie herzlich eingeladen, mich bei Kräuterwanderungen und –kursen zu begleiten. Sollten Sie Fragen oder Anregungen zu Inhalten des Artikels haben, dürfen Sie mir ebenfalls schreiben.

Die Termine und Kontaktmöglichkeit finden Sie auf meiner Internetseite www.lillis-kraeuterpfad.de


Herzliche – wildgrüne – Grüße

Ihre Lilli Albrecht

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