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Die Fichte - unsere Urgroßmutter des Waldes

Mit dem November sind wir endgültig in der dunklen Jahreszeit angekommen. Glücklicherweise oder gerade deswegen fallen in diese Zeit die Feste, zu denen wir Kerzen anzünden. Vielleicht erhellen die nächsten Zeilen ebenfalls Ihren Tag.

Ausschnitt einer hohen Fichte
Fichte: hängende Zweige und Zapfen

Heute möchte ich noch einmal bei den eher größeren Gewächsen bleiben: den Bäumen. Weihnachten steht im nächsten Monat an und in den Supermärkten häufen sich schon länger die Berge aus Weihnachtsgebäck. Im Advent holen wir uns sehr gerne die Nadelbäume ins Haus, um den Adventskranz zu binden. Zu Weihnachten dann den ganzen Baum.

Der Baum, um den es mir in diesem Artikel gehen soll, ist in den letzten Jahren jedoch als Weihnachtsbaum weitgehend verdrängt worden. Die meisten von euch entscheiden sich, wenn du die Wahl hast, sicherlich auch eher für die Tanne als für die Fichte. Denn: Die Fichte sticht, die Tanne nicht!

Und spätestens beim Anhängen des Weihnachtsschmucks merkt man den Unterschied.


Ich nehme dich gedanklich mit in einen Wald. Du stellst dich unter eine Fichte, die Luft ist feucht und kühl. Du lehnst dich mit dem Rücken an den Stamm und atmest tief ein. – Belebend, öffnend, aber auch erdend wirkt der Duft dieses wundervollen Baumes.

Wenn du den Blick in Richtung Spitze hebst, siehst du ein Sinnbild unserer Lunge vor dir: Dicke Äste, die sich immer weiter verzweigen, bis zu den feinen Nadeln, in denen letztlich der Luftaustausch stattfindet.

Und wirklich: Die Fichte lässt uns durchatmen, unsere Lunge frei werden!


„Doch wie kann ich mir den Wald nach Hause holen?“, magst du dich vielleicht fragen. Vor allem, wenn du diesen Duft auch so schätzt wie ich. Und da gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten!

Nicht nur als ätherisches Öl oder selbst hergestellter Badezusatz, sondern auch als Tee oder Hustensirup zeigt die Fichte ihre wohltuende Wirkung.

Dass aus dem Harz, der bei Verletzungen des Baumes austritt, nicht nur Räucherware, sondern die früher beliebte und häufig genutzte Pechsalbe zur Wundheilung hergestellt wurde, ist für den ein oder anderen ebenfalls interessant. Geigenspieler nutzen das aus dem Harz hergestellte Kolophonium, um ihren Saiten die wunderbaren Töne entlocken zu können.



Doch warum ich mich im November schon für das Porträt dieser Pflanze entschieden habe, hat mit ihrer kulinarischen Verwendung zu tun, da diese ein wenig Vorbereitung benötigt.

Haben Sie schon einmal die frischen Fichtentriebe, auch Maiwipferl genannt, probiert? Ich weiß, dafür ist gerade nicht die richtige Zeit. Doch die diesjährigen Triebe kann man immer noch gut frisch zerkauen und wenn die Nadeln zu zäh werden, einfach wieder ausspucken. (Zu erkennen sind die jüngsten Triebe an ihrer etwas helleren Farbe. Sie sitzen an den Spitzen der Zweige.) Du wirst überrascht sein über den frischen, zitronigen Geschmack. Ja, wirklich! Es schmeckt säuerlich, zitronig! Und erst im Abgang ein wenig harzig. Eine grandiose Komposition! Die Natur ist immer noch der beste Gourmet!

Die Weihnachtsbäckerei steht an und wie wäre es, wenn du in diesem Jahr Plätzchen mit Fichtenzucker servierst? Neben den geliebten Vanillekipferln natürlich. Ein Rezept wird es sicherlich demnächst hier auf dem Blog dazu geben...

Kekse mit grünen Streuseln

Dafür die Fichtennadeln trocknen und anschließend mit Zucker vermahlen, so dass der Zucker die ätherischen Öle aufnehmen kann. Damit kannst du deiner Kreativität freien Lauf lassen. Einfach ein bewährtes Rezept damit aufpeppen oder das Internet nach passenden Rezepten befragen. Eine Bereicherung wird es auf jeden Fall auf dem Festtisch sein!

Ein Oxymel, das auch Sauerhonig genannt wird, lässt sich ebenfalls wunderbar aus den Fichtennadeln herstellen und schmeckt wunderbar, ob als Limonade oder ganz besondere Note im Salatdressing.

Bei meinen Kräuterkursen kannst du gerne ein solches Oxymel aus den beliebten oder aktuell verfügbaren Pflanzen ansetzen und hast somit etwas, das du mit nach Hause nehmen kannst, da es vier Wochen braucht, um genussfertig zu werden.


Aus Kräutern oder allgemein Pflanzen hergestellte Produkte brauchen häufig so ihre Zeit. Damit holt uns die Natur raus aus der Geschäftigkeit und lässt uns zur Ruhe kommen – durchatmen. Genau das richtige in der Vorweihnachtszeit!


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